Klinikblues

Mittwoch werden es 4 Wochen, seit dem ich mit Problemen in der Wade in der Ambulanz des örtlichen Krankenhauses gelandet bin, stationär aufgenommen wurde, meine Wade zwei mal operativ „gespült“ und letztendlich der Unterschenkel amputiert wurde.

Ja, ich weiß, dass klinkt für Aussenstehende hart, aber mir geht es sehr gut. Nicht nur physisch. Ich habe die Situation längst für mich angenommen und blicke positiv in die Zukunft. Erstes Ziel: Prothese erhalten (dazu muss die Wunde komplett verheilt sein und dass sieht gut aus), Zweites Ziel (Fernziel): neue, behindertengerechte Wohnung finden und Umzug.

Bis dahin ist es noch einweiter Weg und ich hänge erst einmal im Krankenhaustrott fest und der sieht so aus:

07:00 Uhr wach werden, Handy checken, Zähne putzen, Elektrorasierer (ich liebe meinen neuen Braun – Danke Sabine für den Gutschein), versuchen wacher zu werden.

20 Minuten später hängt die Schwester zwei Infusionen an. Laufen nicht. Liner anfummeln (ein Liner ist ein eine Art Silikonüberzug, der über dem Stumpf gerollt wird um ihn zu formen. Später in der Behandlung bekomme ich einen weiteren Liner, an dem die Prothese befestigt wird). Wieder hinlegen, Infusion läuft. Blutdruck, Temperatur, Blutzucker ok. Handy checken. Tweets lesen. Retweet. Tweet schreiben. Schwester befreit mich von Infusion.

08:00 Uhr Frühstück. Fett zwei mal Butter, ein Sesambrötchen, ein Rosinenbrötchen und einen kleinen roten Camembert. Der Instantirgendwas Kaffee geht nur mit zwei Milch, zwei Zucker. Egal.

09:30 Uhr der Doktor (wie ich es hasse, wenn Leute das sagen) kommt, fragt nach dem Befinden, wechselt den Verband. Ist mit der Wundheilung hochzufrieden. Ich dann auch.

10:00 Uhr Pause. Handy checken. Tweets. Artikel über die Corona-HotSpot-Zone Berlin Mitte in Der Zeit e-Paper lesen, (gefühlt) 20 e-Mails löschen. 1 e-Mail beantworten. Die Frage der Schwester nach dem Blutzuckerwert kündigt das nahe Mittagessen an. WhatsApp-Mittelung beantworten. Liner drückt. Liner abrollen.

12:00 Uhr die Servicekraft bringt mir das Essen ans Bett. Naja, es geht zur Zeit ja auch nicht anders. Es gibt eine Auswahl aus 3 Gerichten. Das zu treffen, das halbwegs schmeckt, ist ein bisschen wie Roulette spielen. Mal gewinnt man, mal verliert man. Nach vier Wochen, hat man es allerdings drauf und weiß, was man auf keinen Fall auswählen sollte, denn der Speiseplan umfasst nur zwei Wochen und wiederholt sich dann. Also nehme ich die Rinderroulade nicht noch einmal, Sonden wähle das „Champignon-Gulasch“(?), dass sich als Schweineragout mit zwei-drei Dosenpilzen, serviert an einer Menge Fabrik-Mini-Klößen entpuppt. Aber essbar.

13:00 Uhr Dösen. Handy checken. Tweets. WhatsApp. Facebook. Liner noch einmal anfummeln.

13:30 Uhr Die Physiotherapeutin steht vorm Bett. Massage von verspannten Nackenmuskeln, über den Rücken bis zum Steißbein. Herrlich. Die Dame hat Erfahrung. Das merkt man. Smalltalk. Danach stehen auf einem Bein üben. Gleichgewicht halten. Krafübungen. Das war es schon wieder.

14:30 Uhr Kaffee mit zwei Milch und zwei Zucker. Donauwelle. Der Zimmernachbar hat Besuch. Täglich. Ewig gleiche  Gesundheitszustandfsabfrage. Täglicher Austausch von Leid. Ich versuche mich nicht runterziehen zu lassen. EarPods rein. Sido an. „…Ich bin high, Bruder, lass mal bisschen rumfahren. Ich komme vorbei, sitz in mei`m SL 500…“.

15:45 Uhr Besuch vom Zimmernachbarn bespricht immer noch die wichtigsten Ereignisse der Nachbarn. Ich selber rufe mal zuhause an. Den Jungs geht es gut. Alles klar. Handy checken. Anruf entgegen nehmen, Zustand erklären, auflegen.

16:30Uhr Die Schwester fragt die Blutzuckerwerte ab. Ein sicheres Zeichen für Abendessen. Gott sei Dank! Im Internet steht „im Sana verhungert man“. Ich habe inzwischen 3 Kilo zugenommen. Die nächste Infusion ist fällig. Läuft wieder nicht. Hinlegen. Läuft doch. Nach 20 Minuten wieder Klingeln. Pfleger kommt und befreit mich vom Schlauch.

17:00 Uhr Abendessen. Es gibt noch Brötchen. 2x Butter (und ich wundere mich warum ich so dick werde), 2 Scheiben Krustenbraten, 4 Minischnitzel, noch ein Joghurt? Ach komm, den nehme ich auch noch.

18:00 Uhr Liner abfummeln. Adidas-Buchse aus. Bettfein. Netflix an. Handy checken.Tweets. Es wird dunkel.

19:30 Uhr Die Schwester kommt ein letztes mal durch. Blutdruck, Blutzucker, Schmerztabletten. Noch eine Infusion.

Irgendwann mache ich das Licht aus und drehe mich zum schlafen um.

00:00 Uhr Die Nachtschwester hängt die letze Infusion an.

Um 07:00 Uhr geht alles von vorne los. Nur an Dialysetagen wird der Trott durchbrochen. Aber auch nur für den Vormittag.

 

 

 

 

 

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Der Bus kommt gleich!

Wie geil ist das denn? Jeder in Hameln und Umgebung weiß um die „Problematik“ rund um den City-Bahnhof bescheid. Absolut JEDER! Selbst die Kiffergangs, die ihre Bluetooth-Box-Sessions schon letztes Jahr ins Himmelreich (ja, daß heißt wirklich so) verlegt haben.

Nur der Landkreis hat nichts gewusst und will jetzt erst einmal einen Sandalenträger (deutsches Wort für Streetworker) auf Erkundung schicken? Hoffentlich kommt der zurück und fällt nicht in die Weser.

Vor kurzem erst, wurde meine Familie dort nach Drogen gefragt. Leider mussten wir das verneinen und wurden daraufhin mit einem Messer bedroht. Tagsüber. An der Touristen-Vorzeige-Weserpromenade. Zukünftig besorgen wir uns besser welche. Also nur, falls man wieder gefragt wird. Ist sicher besser als aufgeschlitzt zu werden.

Und was ist mit meinen Freunden, den #AfD-Fans? Die sind doch auch immer ganz groß, wenn es um Sicherheit und Ordnung geht.

Ach so, die juckt das nicht? Weil die Asis mit ihren Kötern, die alles und jeden bepöbeln, während sie jede Sitzgelegenheit vollpissen, nun mal reinrassige Biodeutsche sind und somit keine Gefahr darstellen?

Dewezet-Artikel vom 08.08.2020

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Das war’s noch lange nicht!

Mein Vater kommt aus einer Generation, die nie gelernt hat einen in den Arm zu nehmen oder zu sagen „ich habe Dich lieb“. Gezeigt hat er es aber immer. Mein Vater ist im Krieg geboren und hat viel erlebt.

An einem hat es mir nie gemangelt: er hat uns immer das Gefühl gegeben, das er mächtig stolz auf uns ist. Und er war immer, wirklich immer kompromisslos für uns da. Dafür bewundere und liebe ich ihn.

Heute morgen hat auch ihn der Krebs geholt.

Er hat mir drei unbezahlbare Dinge hinterlassen: den stolz auf meine Kinder, dass Jungs immer saubere Fingernägel haben müssen (ich habe es im Ohr, als wäre es gestern gewesen, dass ich ihm als Knirps meine Hand im Bad hinhielt) und die Weisheit sich selber nicht zu ernst zu nehmen, um Leute die es tun, nicht ernst nehmen zu müssen, denn das Leben ist ernst genug, gerade an einem scheiß Tag wie heute.

Aber das Leben wird weitergehen. Ich werde meine Familie lieben und irgendwann jubeln, wenn Deutschland wieder Weltmeister wird.

Dabei werden wir an Dich denken.

Wilfried Seyer *18.07.1938 +04.07.2013

Opa mit Nils & Paul in Hess. Oldendorf Stadtwall

P.S. 2014 habe ich Dich beim Endspiel vermisst. Wir haben gewonnen.

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Mach´s gut Jürgen

Letzte Woche erfuhr ich am Telefon von Jürgens Tod . Er war der Vater meines ältesten und besten Freundes. Ich kannte ihn deshalb auch schon seit unserer Grundschulzeit.

Zwar wohnte er weiter im süden Deutschlands und ich habe zu selten mit ihm zu tun gehabt, trotzdem fühlte ich mich ihm sehr verbunden. Nicht nur weil er der einzige „Erwachsene“ war, mit dem ich mich schon früh duzte. Nein, er war viel mehr ein Vorbild. Der Rocker unter den Vätern.

Jürgen hatte gleich drei Studiengänge mit Erfolg abgeschlossen, war in den 70ern so erfolgreich, daß ihm sein Chef mal einen Ferrari hinstellte (den fand er aber kacke), fuhr Porsche und Camaro, war irgendwann mal der Besitzer einer Discothek, wohnte der Lebensqualität wegen in der Rheinland – Pfalz, auch sah man ihn nie ohne Kippe im Mund und er trug lange Haare zu seinen Mercedes S-Klassen.

Aus unserer spießigen Kleinstadtsicht heraus ein Outlaw, einer der seine Träume verwirklicht und macht, was ihm wirklich gefällt. Ein starker Typ. Ich kann nicht leugnen, dass er mich beeinflusst hat und ich ihn bewunderte.

Jetzt hat ihn der scheiß Krebs dahingerafft und ich muss unwillkürlich an die Worte Douglas Adams denken:

mach´s gut und Danke für den Fisch!

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